Bluttests und Krankheitsdiagnostik: Was kann uns Blut über das Geschehen in unserem Körper sagen?

Ärzte haben ständig nach besseren Möglichkeiten gesucht, um festzustellen, was mit einem Patienten nicht stimmt. Wenn Sie mit einer unbekannten Krankheit in eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme gehen, wird Ihnen in der Regel etwas Blut abgenommen, um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was in Ihrem Körper vor sich geht. Blut ist vielleicht das wichtigste Fenster, durch das wir einen Einblick in die Gesundheit oder Krankheit eines Menschen gewinnen können.

Etwa 7% unseres Körpergewichts sind Blut, und unser Herz spuckt jede Minute etwa fünf Liter Blut aus. Mit Sauerstoff angereichertes Blut verlässt die linke Seite des Herzens über die Aorta und die Arterien – die jedes Gewebe im Körper durchdringen – und kehrt über die Venen auf die rechte Seite des Herzens zurück. Von der rechten Seite des Herzens wird das Blut in die Lungen gepumpt, wo es mit Sauerstoff angereichert wird und zur linken Seite des Herzens zurückkehrt.

In etwa zwei Esslöffeln Blut können wir eine Menge über unsere Gesundheit erzählen.

Was Blut uns sagen kann

Wenn sich jemand in einer Notaufnahme vorstellt, wird das anfängliche Testpanel ein vollständiges Blutbild umfassen. Dieses enthält die roten und weissen Blutkörperchen und Blutplättchen; Elektrolyte (die Substanz in unserem Blut, die eine lebenswichtige elektrische Ladung trägt) zur Messung der Nierenfunktion; Leberfunktionstests und “C-reaktives Protein”, das uns sagen kann, ob irgendwo im Körper eine Entzündung vorliegt.

Bluttests und Krankheitsdiagnostik: Was kann uns Blut über das Geschehen in unserem Körper sagen

Anhand dieser Tests können wir Dinge wie das Vorhandensein von Anämie (niedrige rote Blutkörperchen aus verschiedenen Ursachen), Infektionen, Nierenversagen und Lebererkrankungen feststellen. Häufig lösen die Ergebnisse dieser Tests weitere Untersuchungen aus. Zum Beispiel führt das Vorliegen einer Anämie in der Regel zu Tests auf Eisenmangel, möglicherweise Vitamin B12 und Folat, zu einem Screening auf Hämolyse (Zerstörung der roten Blutkörperchen) und zu einer Messung, wie gut das Knochenmark, das die roten Blutkörperchen produziert, reagiert.

Bei Verdacht auf eine Infektion wird Blut abgenommen und in eine Flasche umgefüllt, in der Bakterien wachsen können. Die Bakterien im Blut werden als Septikämie bezeichnet. Die Identifizierung der verantwortlichen Bakterien hilft wesentlich bei der Behandlung, so dass dem Patienten die richtigen Antibiotika verabreicht werden können.

Blutergüsse oder übermäßige Blutungen führen zu einer Beurteilung der Blutplättchen und der Blutgerinnung. Thrombozyten sind die erste Reaktion auf eine Verletzung, und wenn sie niedrig sind oder nicht richtig funktionieren, lassen sie die Blutung unkontrolliert weitergehen. Um festzustellen, ob das Blut normal gerinnt, benötigen wir einen zusätzlichen Teelöffel Blut. Diese Gerinnungsfaktoren werden in der Leber synthetisiert, so dass sie uns auch eine Warnung vor einer Lebererkrankung geben können.

Mein persönlicher Favorit als Nierenspezialist sind die Elektrolyte. Zusammen mit einem Urintest können die Blutelektrolyte die Nierenerkrankung eines Menschen vom ersten bis zum fünften Stadium messen. Wenn die Nierenfunktion abnimmt, steigt der Kaliumspiegel im Blut und kann gefährliche Werte erreichen. Eine hohe Kaliumkonzentration kann zu einer potenziell tödlichen Herzrhythmusstörung führen.

Leberfunktionstests geben Aufschluss darüber, was die Leber produziert und ausscheidet – Anomalien der Leberfunktion können Gallensteine oder Hepatitis bedeuten. Virale Ursachen von Hepatitis, wie Hepatitis B und C, können schnell im Blut überprüft werden. Wir können auch herausfinden, wie lange die Infektion zurückliegt und ob die chronische Infektion andauert.

Die Herzenzyme im Blut sagen uns, ob ein Patient einen Herzinfarkt hatte. Bei den Enzymen handelt es sich um Proteine, die aus dem geschädigten Herzmuskel freigesetzt werden, so dass der Schaden für das Herz umso größer ist, je höher die Konzentration ist.

Was kann uns Blut nicht sagen?

Das Repertoire an Bluttests, das dem behandelnden Arzt zur Verfügung steht, ist riesig. Andere Blutuntersuchungen umfassen das Screening auf Autoimmunerkrankungen, die Überwachung des Ansprechens von Krebserkrankungen auf die Behandlung mit Tumormarkern, die Beurteilung der Fortpflanzungsfunktion, das Screening auf genetische Störungen während der Schwangerschaft und die Diagnose der Schwangerschaft selbst.

Trotzdem bleibt eine Diagnose manchmal schwer fassbar – sowohl für den Patienten als auch für den Arzt frustrierend. Neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Erkrankungen der Motoneuronen, Alzheimer und Multiple Sklerose sind durch Blutuntersuchungen nicht diagnostizierbar. Ebenso fehlt den Diagnosen von Depression, Schizophrenie, ADHS und Autismus ein spezifischer blutdiagnostischer Marker.

Das riesige Angebot an Bluttests, das dem Kliniker zur Verfügung steht, hilft in vielen Fällen bei einer schnellen Diagnose. Aber die Wahl und die Interpretation des Tests muss im Licht des Patienten und der Symptome, die er zeigt, betrachtet werden. Wie das alte Sprichwort in der Medizin sagt: Behandle die Person und nicht die Zahlen.

Die folgenden Links bieten hilfreiche Ressourcen: schwangerschaft bluttest wo machen